Tanja Filthaut

 

Lern- und Sprachtherapeutin mit eigener Praxis in Menden

 

Mit großer Leidenschaft für ihren Beruf, unternehmerischem Mut und persönlicher Verantwortung steht Tanja Filthaut exemplarisch für Frauen, die zwischen Care-Arbeit, Führung und finanzieller Unabhängigkeit täglich Außergewöhnliches leisten.

 

 

 

 

 

1970

 

geboren

 

 


1996

 

Diplom in Köln mit summa cum laude

 

2000

 

Eröffnung eigene Praxis in Menden


2002

 

Heilmittelreformen - große Arbeitslast, keine Anpassung der Vergütungen - wirtschaftliche Schwächung - Kündigungen drohten - konnte sie abwehren

2010

 

Tilgung aller BaföG-Schulden und des Praxis-Darlehens

 


2003

 

Geburt ihres Sohnes

2003-2006

 

Ausbildung zur Integrativen Lerntherapeutin für Kinder mit Lernstörungen und Teilleistungsstörungen


2006

 

Umzug in das eigene Praxishaus

ab 2020

 

Corona-Krise: Bewährungsprobe als Mensch, Therapeutin und Chefin, Erkenntnis: „Ich kann Krisen bewältigen“


seit 2021

 

deutliche Verbesserung der Vergütung der Mitarbeitenden

 

 

Per glücklichem Zufall zum Traumberuf

 

Ihren Beruf verdankt Tanja Filthaut ihrer Cousine, die für sie schon immer ein Vorbild war und die sie dazu ermutigte Sprachheilpädagogik in Köln zu studieren. Schnell stellte sich heraus: In diesem Fach ist Frau Filthaut genau richtig. Nach mehreren Jahren in der Praxis der Cousine in Duisburg-Marxloh entschied sie sich dazu, eine eigene Praxis in Menden, der Heimat ihres Partners, zu eröffnen: „Ich wusste: Ich schaffe das.“


Immer in Bewegung

 

Unterstützung bei der Praxisgründung bekam sie von ihrem Mann und vom Vermieter, der die Praxisräume nach ihren Vorstellungen einrichtete. Den Aufbau ihrer Praxis, die sie inzwischen 25 Jahre mit derzeit elf Mitarbeiterinnen führt, hat sie vor allem aus eigener Kraft und mit viel Leidenschaft für ihren Beruf geschafft, auch wenn gerade die Anfangszeit sehr arbeitsintensiv war: „Bei einer Vollzeitstelle hat man etwa 40 bis 45 Therapien. Ich hatte 60.“ Sie entwickelt sich weiter – sowohl beruflich als auch als Führungskraft, bewältigt viele Herausforderungen, hält Vorträge in Schulen und Kitas, entwickelt Arbeitsmaterialien auf Grundlage ihrer Berufserfahrung und in Zusammenarbeit mit Kindern, ehemaligen Patient:innen und Schulen in Menden.


Gleichberechtigung

 

Nach der Geburt ihres Sohnes sah sie sich vor der Aufgabe, ihre Kräfte neu auszurichten: zwischen liebevoller Fürsorge und beruflicher Verantwortung. Die gleichzeitige Erfüllung beider Rollen erwies sich als anspruchsvoll und führte zu einem inneren Spannungsfeld. Ihr wurde bewusst, wie wenig gesellschaftliche Anerkennung Mütter für diese komplexe Leistung erfahren. „Ich hatte das Gefühl stark sein zu müssen. Erst in der Rückschau habe ich gemerkt, wie sehr mich das Zerrissen sein zwischen Mutterrolle und beruflicher Verantwortung belastet hat.“

Sie arbeitet in einem anspruchsvollen Berufsfeld im Gesundheitswesen mit vergleichsweise schlechter Bezahlung – in diesem Bereich arbeiten kaum Männer. Daher ist es kein Zufall, dass ihr Team ausschließlich aus Frauen besteht. In ihrer Rolle als Führungskraft sieht sie, wie sehr es an echter Gleichberechtigung mangelt. Sie sorgt für eine gute Arbeitsatmosphäre, führt demokratisch, unterstützt ihre Teammitglieder in der beruflichen Weiterentwicklung. Dennoch sieht sie, wie sehr Frauen sich aufreiben zwischen Care-Arbeit und Berufstätigkeit. „Wenn die Kita wegen Personalmangel geschlossen hat, sind es in aller Regel die Mütter, die zuhause bleiben.“  


Finanzielle Unabhängigkeit

 

Frau Filthaut ist es wichtig, finanziell unabhängig zu sein. Durch ihren Hochschulabschluss mit summa cum laude kann sie ihre BaföG-Rückzahlung reduzieren, tilgt schnell das Darlehen, das sie für ihre Praxis aufgenommen hat. „Finanzielle Unabhängigkeit ist wichtig für Frauen, aber oft ist es weniger anstrengend sich in die finanzielle Abhängigkeit vom Partner zu begeben.“ Sie wünscht sich mehr Wertschätzung, auch in finanzieller Form: Einen finanziellen Ausgleich für Care-Arbeit und einen Soli für Unternehmen wie ihres, das ausschließlich Frauen beschäftigt. „Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe und nichts, was ausschließlich im Privaten geklärt werden kann.“ Was sie anderen Frauen raten würde? Gütig und mutig sein. Und die eigenen Gefühle als valide ansehen. „Lasst euch nicht einreden, dass ihr zu empfindlich seid.“


Das Kompetenzzentrum Frau & Beruf wird gefördert aus Mitteln des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.